Für die Nachfolge des Dakomed-Präsidiums konnten wir zwei hochqualifizierte und bestens vernetzte Persönlichkeiten gewinnen: Franziska Roth, Ständerätin SP Solothurn, und Martin Bangerter, Experte Gesundheitswesen und Selbstmedikation.
Wir freuen uns ausserordentlich, unseren Mitgliedern Franziska Roth und Martin Bangerter zur Wahl an der Mitgliederversammlung 2024 zu empfehlen. In seiner Funktion als Co-Präsident wird sich Martin Bangerter auch um operative Angelegenheiten des Dakomed kümmern.
Die langjährige Präsidentin des Dakomed Edith Graf-Litscher hat per Ende November nach 18 Jahren im Nationalrat ihr politisches Mandat abgelegt – per April 2024 gibt sie auch das Dakomed-Präsidium in neue Hände. Im Namen der Mitglieder und der gesamten Branche bedanken wir uns an dieser Stelle bereits herzlich für ihr unermüdliches, herausragendes Engagement für die Komplementärmedizin. An der Mitgliederversammlung 2024 werden wir Edith-Graf Litscher gebührend würdigen und verabschieden.
Spitäler und Kliniken, die Integrative Medizin anwenden, die also Schul- und Komplementärmedizin kombinieren, können sich seit Kurzem zertifizieren lassen. Der Verein integrative-klinik.ch hat das Zertifikat «Integrative Kliniken» inklusive Reglement und Kriterienkatalog entwickelt.
«Das Label zeichnet Spitäler, Kliniken und Abteilungen aus, welche die Komplementärmedizin und die Schulmedizin in vorbildlicher Weise verbinden und dabei in beiden Systemen höchste qualitative Ansprüche erfüllen», sagt Dr. med. Lukas Schöb, Präsident des Vereins integrative-klinik.ch und ärztlicher Leiter der Klinik Arlesheim. Das Label bezeuge, dass ärztliche, pflegerische und therapeutische Leistungen im Sinne einer ganzheitlichen Medizin zum Wohl der Patientinnen und Patienten erbracht würden, so Schöb. Bereits im April 2023 hatten die Frauenklinik des Gesundheitszentrums Fricktal (GZF) und das Brustzentrum Rheinfelden, die als Pilotbetriebe bei der Entwicklung der Zertifizierung mitgewirkt haben, ihr Zertifikat erhalten (siehe Bild). Seit Mitte November können sich nun alle integrativen Kliniken und Spitäler für das Zertifizierungsverfahren anmelden.
Niederschwelliger Zugang zu integrativer Medizin
Der Verein integrative-klinik.ch setzt sich seit 2017 dafür ein, dass alle Menschen in der Schweiz einen niederschwelligen Zugang zu einer qualitätsgesicherten, integrativen, stationären Versorgung haben. Dazu fördert er den Auf- und Ausbau der Integrativen Medizin in Spitälern und setzt sich unter anderem für deren Qualitätssicherung und -entwicklung ein.
Die Mitglieder des Vereins: Link
Bildlegende: Die Verantwortlichen des Gesundheitszentrums Fricktal und des Brustzentrums Rheinfelden Dr. med. Maik Hauschild (v.l.), Anneliese Seiler und Dr. med. Stefanie Stirnberg bei der Zertifikatsübergabe durch Dr. med. Lukas Schöb, Präsident von integrative-kliniken.ch..
Eine neu veröffentlichte Studie liefert Beweise dafür, dass die Homöopathie signifikante positive Auswirkungen auf die Gesundheit hat, die weit über das hinausgehen, was durch den Placebo-Effekt erklärt werden kann. Die Studie ist in der Fachzeitschrift "Systematic Reviews" erschienen.
In seiner Stellungnahme zur Motion 23.3511 von Nationalrat Philippe Nantermod (FDP VS) spricht sich der Bundesrat klar für die Übernahme der Kosten komplementärmedizinischer Leistungen durch die Grundversicherung aus.
Der Motionär hatte gefordert, die Kostenübernahme als Wahlmöglichkeit auszugestalten. Der Bundesrat schreibt in seiner Stellungnahme vom 16. August 2023: «Eine Ausnahme oder Wahlmöglichkeit für bestimmte Leistungsbereiche widerspricht dem Prinzip des Versicherungsobligatoriums. Wahlleistungen wären nicht mehr obligatorisch und nicht mehr solidarisch durch alle getragen.» Der Bundesrat verweist darauf, dass die Stimmberechtigten und die Stände 2009 der Übernahme der Kosten von alternativmedizinischen Leistungen durch die Grundversicherung klar zugestimmt haben. Die Fachrichtungen anthroposophische Medizin, Homöopathie, Phytotherapie und Traditionelle chinesischen Medizin (TCM) wurden im Jahr 2012 provisorisch und ab 2017 definitiv in die Leistungspflicht der Grundversicherung aufgenommen – dazu bekennt sich der Bundesrat und empfiehlt die Motion Nantermod zur Ablehnung.
In der Ausgabe 2023/24 der Schweizerischen Ärztezeitung (SAEZ) sind drei Artikel zur komplementären und integrativen Medizin erschienen. Dr. med. Jana Siroka, Mitglied des Zentralvorstands der FMH, legt in ihrem Leitartikel dar, wie der Stellenwert der Komplementärmedizin in den vergangenen Jahren zugenommen hat.
PD Dr. med. Florian Strasser beschreibt am Beispiel der Integrativen Onkologie die drei Säulen der evidenzbasierten Medizin: 1. Klinische Beurteilung, 2. Evidenz aus der klinischen Forschung und 3. Präferenzen und Werte der Patientinnen und Patienten.
In einem weiteren Artikel geben Dr. med. Matthias Kröz, Leiter der Forschungsabteilung der Klinik Arlesheim, und Prof. Dr. Carsten Gründemann, Leiter des Lehrstuhls für Translationale Komplementärmedizin an der Universität Basel, Auskunft über den Stand evidenzbasierter Forschung in der Komplementärmedizin.
Die Gesundheit der Nutztiere in der Schweiz war das Thema eines gemeinsamen Anlasses des Landwirtschaftlichen Klubs der Bundesversammlung und des Dakomed vom 14. Juni 2023. Eingeladen waren die Mitglieder des eidgenössischen Parlaments und mehrere Fachexpertinnen und -experten.
Dr. med vet. Michael Walkenhorst, Co-Leiter für Nutztierwissenschaften und Tiergesundheit am Forschungsinstitut für biologischen Landbau Schweiz FiBL, referierte über komplementärmedizinische Lösungsansätze für die Tiermedizin und die Nutztierhaltung.
Die Komplementärmedizin hat das Potential, den Einsatz von Antibiotika bei Nutztieren zu reduzieren. Das FiBL hat ein Ressourcenprojekt des Vereins Kometian wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Dank der komplementärmedzinischen Beratung von Kometian konnte der Antibiotikaeinsatz bei Milchkühen signifikant um 30 Prozent reduziert werden.
An der Dakomed-Versammlung vom 20. April 2023 diskutierte die Gesundheitspolitikerin und ehemalige Nationalrätin Ruth Humbel (Bildmitte) mit Walter Stüdeli und dem Publikum die aktuellen Herausforderungen des Gesundheitswesens. Die fehlenden klaren Verantwortlichkeiten zwischen Bund und Kantonen und Differenzen zwischen den Tarifpartnern sind das Grundproblem für viele Schwierigkeiten.
Walter Stüdeli, Ruth Humbel, Edith Graf-Litscher
Als gemeinsame Vision sahen Ruth Humbel und die anwesenden Mitglieder die notwendige Investition in eine menschliche Medizin und die Stärkung der Prävention. Die Komplementärmedizin kann und muss Einfluss nehmen, denn die Menschen wünschen sich eine ganzheitliche Medizin.
Die Mitglieder verabschiedeten zudem das langjährige Vorstandsmitglied Heidi Schönenberger, die sich über viele Jahre mit viel Herzblut und Ausdauer für die Anerkennung und Anliegen der Naturheilpraktikerinnen und Naturheilpraktiker einsetzte. Nationalrätin und Dakomed-Präsidentin Edith Graf-Litscher (l.) bedankte sich für die engagierte Zusammenarbeit. Als Nachfolgerin wurde die Naturheilpraktikerin Birgit Schellmann Straub als Delegierte der Organisation für die Arbeitswelt Alternativmedizin OdA AM in den Dakomed-Vorstand gewählt.
Schwerpunkte 2023
Der Dakomed setzt folgende inhaltliche Schwerpunkte im Jahr 2023:
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat erstmals global gültige Ausbildungsstandards (Benchmarks) für die Anthroposophische Medizin veröffentlicht. Die Benchmarks beschreiben Zugangskriterien zu den Ausbildungen, Ausbildungsinhalte und Ausbildungsdauer. Immer mehr Länder definieren Richtlinien für traditionelle, komplementäre und integrative Medizin. Die WHO Benchmarks dienen als Referenzpunkte für politische Entscheidungsträger, Mitarbeitende im Gesundheitswesen und Ausbildungseinrichtungen.
Da die Anthroposophische Medizin interdisziplinär ansetzt, gelten die neuen Ausbildungsstandards für alle Gesundheitsberufe: Ärtzinnen/Ärzte, Therapeutinnen/Therapeuten, Pharmazeutinnen/Pharmazeuten und die Pflege.
Bis jetzt hat die WHO vergleichbare Ausbildungsstandards auch für die Traditionelle Chinesische Medizin und die Ayurvedische Medizin veröffentlicht.
Weitere Informationen:
Der Exekutivrat der Weltgesundheitsorganisation WHO will gemeinsam mit den Mitgliedstaaten und relevanten Stakeholdern eine neue globale Strategie für tradiotionelle Medizin erarbeiten. Edith
Graf-Litscher, Nationalrätin und Dakomed Präsidentin, wollte vom Bundesrat wissen, ob er sich für den Vorschlag des Exekutivrats einsetzt (23.7193 Fragestunde). Der Bundesrat will sich erst äussern und positionieren, wenn ein Entwurf der
neuen Strategie vorliegt. (Antwort BR).
«Wir hätten uns gewünscht, dass sich die offizielle Schweiz bereits im Vorfeld aktiv einbringt», sagt Edith Graf-Litscher, «nicht erst, wenn ein Textentwurf vorliegt. Denn die
Schweiz hat viel Knowhow und Erfahrung bei der Integration der komplementären Medizin in das Gesundheitssystems.»